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Lebensbuch

Die Lebensbücher sind eine Art Biografie.
Aus dem Buch „Biografiearbeit mit geistig behinderten Menschen“ von Christian Lindmeier habe ich die Anregung übernommen, Stationskarten als „Anturner“ anzubieten, (ohne dass ich den Anspruch habe, Biografiearbeit im eigentlichen Sinne zu machen).
Es handelt sich um kleine Kärtchen mit Symbolen und Schrift, z.B.:
Baby > Geburt, Baby
Kind mit Teddy > Kindheit
Herz > Liebe
Weitere Themen sind Krankheit, Schule, Arbeit, Umzüge, Tod, Freundschaft, Rente.
Jeder nimmt sich ein Kärtchen, zu dem er etwas schreiben möchte, schreibt je nach Fähigkeit Stichworte oder Sätze auf oder diktiert mir einen Text. Fotos können mitgebracht werden oder Bilder gemalt werden (Rita malte ein wirklich wunderschönes Bild von einer Klassenfahrt, die sie mit dem Schiff auf dem Rhein gemacht haben – es ist mindestens 20 Jahre her und muss sie tief beeindruckt haben!)
Natürlich läuft nicht alles so unkompliziert…. Therese möchte die Stationskärtchen mitnehmen und klebt sie mal gleich auf ihr Blatt, jemand anderes hat keine Lust „über sein Scheiß-Leben zu schreiben – das geht keinen was an“. Wieder ein anderer könnte stundenlang diktieren. Fotos kommen nicht bei, man muss hinterherlaufen, es werden eindeutig falsche Dinge erzählt, und es erhebt sich die Frage, ob man sie aufzeichnen soll. Einige wissen ihren Geburtstag nicht oder ich verstehe nicht, was sie sagen.
Aber auch Schönes tritt zu Tage, glückliche Erinnerungen an Kindheit und Schulzeit ebenso wie sehr Schmerzhaftes wie Selbsttötung der Schwester, Tod der Freundin, Verlust der Familie. Dann machen wir immer wieder mal Pause und beschäftigen uns wieder mit der Arbeit an Buchstaben und Wort, bis wir uns wieder stark genug fühlen zum Weitermachen. Das rechte Gleichgewicht halten zwischen Ermutigen und Gewährenlassen muss immer wieder gefunden werden.
Wir machen Fotos fürs Deckblatt, eine ICH-Seite, notieren die Lieblingsspeisen, schreiben Urlaubsberichte. Ich hacke alles auf meine Festplatte, lese es vor und frage noch mal nach, ob es auch alles so stimmt. Bei Therese werde ich noch mal ihre Schwester interviewen müssen, weil ich aus ihr wenig Brauchbares rausbekomme und sie auch akustisch schlecht verstehe.
Schließlich wird alles ausgedruckt, sortiert, das Deckblatt laminiert und das Lebensbuch mit einer Klemmschiene gebunden. So bleibt es offen fürs Hinzufügen von neuen Blättern mit laufenden Ereignissen oder noch aufgetauchten Erinnerungen.

Hier ein paar Seiten zum Anschauen:
Familie
Krankheit
Schule
Tod
Urlaub

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2 Kommentare leave one →
  1. pschrage permalink
    4. Oktober 2009 15:21

    Hi Ruth, ich finde es spannend was bei dir in diesem Kurs passiert! Ich wünsche mir, dass du noch mehr Kniffe und Methoden verrätst. Ich beginne ja grade als Freiwilliger mit geistig Behinderten zu arbeiten und bin noch etwas überfragt wie ich dabei am Besten vorgehe. Sie lernen doch ganz anders als Kinder!

  2. Ruth permalink*
    4. Oktober 2009 18:21

    Nun freu ich mich doch sehr, endlich mal auf einen Menschen zu treffen, der auch so was macht. Ja, das ist doch ein weitgehendes Neuland, das wir betreten. Ich hab mich da auch reingetastet. Wichtig ist für mich und die Teilnehmer, dass es ohne Druck und lustvoll zugeht. Deswegen spielen wir auch ganz viel. Werde versuchen, mehr zu Methoden zu schreiben, auch was ich anders machen würde, wenn ich noch mal anfangen würde. Demnächst!

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