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Fingerzeichenmethode – was hat sie uns gebracht?

14. Juni 2011

Nach fast anderthalb Jahren Versuchsphase in der Anfängergruppe ist vielleicht die Zeit für eine Zwischenbilanz gekommen, auch wenn wir immer noch nicht alle Buchstaben durch haben.

Für diese Zwischenbilanz muss man natürlich unsere besondere Situation berücksichtigen: Wir haben, wenn´s hoch kommt, einmal pro Woche Unterricht. Wenn man die Feiertage abzieht, die auf einen Donnerstag fallen, meinen Urlaub, die Urlaube der Teilnehmer, die bei manchen häufigen Krankheitszeiten…….dann landen wir vielleicht pro Person auf 30 – 40 Unterrichtsstunden im Jahr.

Trotzdem kann ich feststellen: Rita hat eindeutig davon profitiert. Sie kann sich jetzt Buchstaben merken, die vorher in jahrelangem Unterricht einfach nicht in ihrem Kopf hängenblieben. Dazu muss man sagen: Sie liebt die Fingerzeichen, hat einfach Spaß daran, und das Zusammenschleifen fällt ihr damit eindeutig leichter.

Ursula, die ja noch nicht so lange dabei ist, kann sich leider meistens nur die Fingerzeichen und die Buchstabenform dazu merken, sie erinnert sich aber nicht, wie sie lauten. Deshalb kommen wir nicht voran. Es hängt und hakt. Ich kann mir vorstellen, dass ein häufigerer Unterricht bessere Erfolge bringen könnte – sie hat einfach bis zum nächsten Mal alles vergessen. Ich bringe sie auch sehr schwer dazu, nicht mich anzusehen, sondern die Buchstaben……

Karsten braucht die Methode nicht, er kennt die Buchstaben schon, und für Lukas, der weder sprechen noch die Zeichen selbst machen kann, sind sie auch überflüssig oder vielleicht eine zusätzliche Hürde.

Fazit: ein Teilerfolg, aber etwas Besseres fällt mir bis jetzt auch nicht ein.

Das A.B.C.-Projekt

13. Januar 2011

Auf der Seite des ABC-Projekts (Alphabetisierung – Beratung – Chancen), einem Forschungsvorhaben bezüglich der Alphabetisierung Erwachsener, das mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wird, habe ich ein hilfreiches Formular zur Lernstandsbeschreibung der Kursteilnehmer gefunden, das für die Einschätzung der vorhandenen Fähigkeiten und die Verfolgung des Lernfortschritts sehr nützlich ist. Auch eine entsprechende Handreichung wird zum Download angeboten neben einigen anderen nützlichen Dingen..

Der Pictoselector

17. September 2010

ist ein wunderbares Programm, das nichts kostet und hier zum Download steht. Damit mache ich meine Arbeitsblätter doppelt so schnell, von Bildkärtchen für Spiele ganz zu schweigen. Das Beste ist: Ich muss mir keinen Kopf mehr über Rechte an den Pictogrammen machen, alles ist völlig frei nutzbar. Ein dickes Lob an Martijn van der Kooij, der diese Anwendung geschrieben hat und frei zur Verfügung stellt!

Linkliste „Material finden“ ergänzt

25. Juli 2010

Die Linkliste „Material finden“ hat ein Update erfahren.

Viele gute Übungen habe ich heute unter anderem im „Schreiblernbuch“ von Wikibooks gefunden, eigentlich gedacht für das Üben mit zweisprachigen Kindern im Ausland im Hausunterricht. Vieles ist aber auch anderweitig brauchbar.

Lernspielzeug für den Fun-Faktor

8. Mai 2010

Ich habe entdeckt, dass sich billige Vlies-Putzlappen (im Mehrfachpack bei jedem Drogeriemarkt erhältlich) super vernähen lassen. Wenn man sich Buchstabenschablonen macht, kann man sich  die Buchstaben direkt auf das Putztuch zeichnen, großzügig ausschneiden und auf der angezeichneten Linie mit Zickzackstich auf einen Stoffrest aufnähen. Anschließend schneidet man außerhalb der Kontur alles Überstehende mit einer Schere weg. So habe ich Mini-Kisschen genäht und mit irgendwelchen Stoffresten gefüllt. Hier sind alle Buchstaben, die wir im Anfängerkurs  bis jetzt durchgenommen haben – grün für Selbstlaute, rosa für Mitlaute. Und nun ALIM0569machen wir “Kissenschlacht“: wen´s trifft, der muss den Buchstaben mit Fingerzeichen sagen. Dann darf jeder einem anderen ein grünes ALIM0570und ein rosa Kissen zuwerfen, und der Empfänger muss sie nebeneinanderlegen und lesen. Das hat den Teilnehmern Spaß gemacht und bringt Variation ins Üben.

Im Fortgeschrittenkurs nehmen wir zur Zeit das Wortfeld Jahreszeiten und Kalender durch. Dafür habe ich einen JahALIM0573reskreis genäht – wiederum aus 2 Putzlappen. Die Trennlinien  zwischen den Monaten habe ich in verschieden Farben  – je nach Jahreszeit – mit Zickzackstich abgenäht. (Beim Anzeichnen habe ich mir mit einem Haushaltsgerät geholfen, das man zum Tortenverzieren benutzt und das 12 Aussparungen für die Tortenstücke hat.)

Die Klettseite von aufklebbarem Klettband hält super auf dem Vlies. Die Teilnehmer haben die laminierten

ALIM0568 Kärtchen, die hinten mit Klettband versehen sind, auf den Jahreskreis sortiert und dann die Feste im Jahr und ihre Geburtstage in einem Kalender gesucht. Anschließend wurden Arbeitsblätter mit Fragen beantwortet.

Einführung von Großbuchstaben

4. März 2010

Nachdem die Vokale und die stimmhaften Konsonanten als Kleinbuchstaben eingeführt sind, kommen wir jetzt zu den entsprechenden Großbuchstaben (die Fingerzeichen ändern sich nicht). Wie Katrin Rabanus in ihrem Buch schreibt, geht das recht problemlos, weil die Großbuchstaben allgegenwärtig und von der Optik her bekannt sind. Wo die Form der großen sehr von den kleinen „Brüdern“ abweicht, habe ich sie noch mal gesondert üben lassen. Das geht ziemlich gut mit diesen Ausmalbildern oder dieser Nachspur- Buchstabenkartei.

Fortschritte mit der Fingerzeichenmethode

7. Februar 2010

Langsam, aber stetig setzen sich die ersten Buchstaben mit Fingerzeichenunterstützung fest. Wir haben jetzt die 5 Vokale und die stimmhaften Konsonanten durch und können kleine Silben und ein paar „vernünftige“ Worte bilden.  Weitere Buchstaben will ich erst einführen, wenn diese richtig sitzen und angewandt werden können. Ich spüre aber schon, dass sich  vor allem bei Rita langsam ein Verständnis dafür entwickelt, wie ein Wort sich aus Lauten zusammensetzt – und darum haben wir jetzt mit anderen Methoden jahrelang gerungen!

Zur Einführung habe ich jeweils laminierte Nachspurkarten erstellt, die wir immer wieder benutzen können. Ich stelle fest, dass einige Teilnehmer fast unüberwindliche Schwierigkeiten haben, die Buchstaben in der Größe zu unterscheiden und richtig in die Zeilen einzuordnen. Vermutlich hilft da nur Üben. Meine Befürchtung, dass sie sich nach einer Weile langweilen könnten, hat sich bis jetzt nicht bewahrheitet.

Ich habe jede Menge Buchstabenkärtchen erstellt und in Kästchen einsortiert, auf deren Deckel das jeweilige Fingerzeichen zu sehen ist. Ich lasse die Teilnehmer dann auf Setzleisten Silben und Wörter legen, die wir unter Einsatz der Fingerzeichen erarbeitet haben und dann abschreiben. Lukas stecke ich einen dicken Marker zwischen die Finger, stabilisiere mit der einen Hand seinen Ellenbogen und führe mit der anderen seine beim Schreiben. Auch wenn er niemals alleine schreiben können wird, macht ihm das einen Riesenspaß und ist er auf sein Werk stolz wie Oskar. Ich hoffe, dass ihm das auch hilft, durch sensorische Rückmeldung ans Gehirn die Form der Buchstaben zu verinnerlichen. Leider ist sein Talker immer noch nicht nutzbar, so dass ich sein Verständnis von dem, was wir erarbeitet haben, schwer kontrollieren kann.

Einstieg

7. Januar 2010

Heute war das erste Treffen im neuen Jahr, und die Teilnahme war mager, weil einige noch im Urlaub sind.

Lukas war  zum ersten Mal dabei, und wie so oft, ist sein Talker wieder mal defekt und ihm damit die Sprache „abgedreht“ – eine ziemlich brutale Sache. Wenn man sich da mal reinversetzt, versteht man seinen Frust.

Die Vorgehensweise mit den Fingerzeichen ist natürlich für ihn eigentlich nicht passend, aber ich muss ihn irgendwie in diese Lerngruppe integrieren, weil ich nicht noch einen Kurs eröffnen kann. Wenn er  verstehen will, was wir machen, muss er sie mitlernen, auch wenn er sie weder zeigen kann noch den dazugehörigen Laut sprechen.

Also habe ich die anderen Teilnehmer heute gebeten, die Zeichen zu den gelernten Lauten zu zeigen und habe sie dabei fotografiert . Die Bilder will ich dann zu Talkersymbolen für Lukas umarbeiten, damit er sie, wenn wir damit arbeiten, anklicken kann. Die Wiederholung hat übrigens gezeigt, dass in den Weihnachtsferien schon wieder einiges vergessen wurde……

Dann habe ich ihm die Buchstaben in die Hand geschrieben und die anderen zuschauen lassen und den Laut dazu sagen. Anschließend  haben wir an der Tafel Silben gebildet und erlesen und er hat zugeschaut. Geschrieben haben wir nichts, denn in der Zeit wäre er ganz ohne Beschäftigung gewesen ohne seinen Talker. Ich werde jedenfalls meine ganze Kreativität brauchen, um ihn überall mit einzubeziehen.

Buchstabenplätzchen und Aussichten fürs nächste Jahr

10. Dezember 2009

Buchstabenplätzchen haben wir heute gebacken, wie letztes Jahr auch. Ich hatte schon wieder vergessen, wie anstrengend das ist…..Nächstes Mal feiern wir dann Jahresabschluss mit einem „Buchstaben-Café“, und anschließend kann, wer will, noch Weihnachtskarten basteln und schreiben, und dann sind Weihnachtsferien…..

Im neuen Jahr werde ich dann im Anfängerkurs einen neuen Teilnehmer  haben. Lukas ist Tetraspastiker, kann nicht sprechen und kommuniziert mit einem Talker – einem kleinen Computer mit Sprachausgabe, den er mit zwei Kopftastern als Maus bedient. Und er möchte furchtbar gerne lesen lernen. Das wird ein Abenteuer und viel Arbeit, aber ich will ihm diese Chance geben, die für ihn vielleicht irgendwann auch die Möglichkeit einer beruflichen Integration eröffnen kann.

Jetzt lernen wir mit „Kochbuch“

19. November 2009

Vor einiger Zeit bin ich auf das “ Kochbuch  fürs Lesen“ von Katrin Rabanus gestoßen, die mit ihrer Hasenschule schon vielen hoffnungslosen Fällen das Lesen beigebracht hat. Da mir ihr Vorgehen sinnvoll erschien, habe ich beschlossen, die Methode mit meinem Anfängerkurs auszuprobieren. Ich hoffe, damit auch Rita und Ursula noch mal eine Chance zu geben, sich Buchstaben zu merken. Rainer kann so vielleicht noch die kleinen Buchstaben lernen – in diesem Lehrgang wird mit den kleinen Buchstaben angefangen.

Die Methode verwendet die Fingerzeichen nach Koch. Die Vokale werden zuerst eingeführt, dann die stimmhaften Konsonanten. Am Anfang wird nur auf die reine Lesetechnik Wert gelegt, die Sinnentnahme  erfährt erst Interesse, wenn die Technik beherrscht wird. In unserem Kurs sind wir jetzt mit den Vokalen durch und heute beim M gelandet. Bis jetzt machen die Teilnehmer begeistert  mit; ich werde über Erfolg und Mißerfolg berichten.

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